Selbstversorgung ohne Kuh? – Leben mit dem Kompromiss!

Ja, sicher MIT Farm ist es wahrscheinlich logischer, aber status quo ist: wir haben keinen Bauernhof, und werden auch in absehbarer Zeit keinen bekommen, da das aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist. Abgesehen von Geld und Zeit und der Tatsache dass wir uns für ein Leben im „Mehr-Generationen-Eltern-Haus“ entschieden haben, hapert es auch allgemein an der Durchführbarkeit, denn auch mein Tag hat nur 24 Stunden.

Jetzt wohne ich also im Vorort und möchte trotzdem Selbstversorger sein – Wie soll das also gehen?

Erstens: Ich habe eingesehen, dass ich in meiner Situation und mit meinem aktuellen Lebensstil nicht zu 100% selbstversorgend sein kann. Zweitens: Ich habe aufgehört es trotzdem zu versuchen und gelernt mit dem Kompromiss zufrieden zu sein! Früher habe ich ausschließlich gesehen, was ich alles nicht machen kann, obwohl ich es gerne würde. Heute sehe ich auch Chancen in der Art wie wir Selbstversorgung leben und hoffentlich andere motivieren es auch zu versuchen. Kleinigkeiten zu verändern um etwas zum Großen Ganzen beizutragen ist oft nicht ganz so schwer, wie gleich den kompletten Alltag und Lebensstil umzukrempeln – Ein kleiner Beitrag ist aber auch ein Beitrag, und das ist okay!

Dass wir anders Leben wollten, haben wir schon länger gemerkt. Wir spürten eine wachsende Abneigung gegen unüberlegten Konsum, gegen die unglaubliche Menge an Tand, der sich in unserem Haus und unserem Leben anhäufte. Wir spürten wachsendes Unbehagen gegen das, was uns als „Lebensmittel“ verkauft wird, gegen unnötigen Verpackungsmüll und Freizeitgestaltung mit Statusdruck und vieles mehr.

Wir sind keine klassischen Aussteiger – leider, aber wir suchen einen anderen Weg, den wir IN und MIT der Gesellschaft leben können, und der sich für uns trotzdem richtig anfühlt.

Wir konzentrieren uns auf das, was wir täglich (ver-) brauchen und was uns als Lebensgrundlage dient. Nach eingehender Prüfung des Hausstandes ist das vor allem Nahrung, speziell: Wasser, Brot, Milch, Eier, Gemüse, auch Fleisch und Zucker und einige Dinge mehr. Desweiteren Pflege- und Reinigungsprodukte.

Vieles kann man ohne allzu großen Aufwand, und je nach persönlicher Vorliebe, selbst beschaffen oder erzeugen. Aber wenn es nicht der Aufwand an Zeit ist, der einem dann in summa einen Strich durch die Rechnung macht, gibt es auch andere Grenzen. Ich möchte das gerne am Beispiel von Milch illustrieren.

So gerne ich es würde, ich kann in der Vorstadt keine Kuh halten! Trotz langer Überlegungen, wird aus mir wohl auch nie ein guter Vegetarier, geschweige denn Veganer, zumindest vorerst nicht -Wer weiß. Was also tun, wenn ich das Rindvieh nicht selbst halten kann? Jemanden suchen der es kann – logisch! Und mich vergewissern, dass er es so macht, dass ich damit leben kann.

Ein bisschen mehr Planung oder Umgewöhnung ist schon nötig, aber am Ende ist es gar nicht so schwer. Wir beziehen unsere Milch inzwischen von einer „Milchtanke“ an einem Bauerhof, der nicht allzu weit entfernt ist.

Nachteil: Ich kann den Milchkauf nicht mit dem „normalen“ Einkauf verbinden.

Vorteile: Ich bekomme super frische Milch, die ich auch zu anderen Milchprodukten weiter verarbeiten kann, da sie im Gegensatz zur ESL-Milch aus dem Supermarkt auch irgendwann sauer wird. Ich unterstütze direkt einen lokalen Landwirt, dessen Arbeit ich schätze und entziehe meine Kaufkraft dem Zwischenhändler, dem der Landwirt die Milch normalerweise verkaufen würde, bevor der sie dann mir verkauft. Ich kann 24/7 an meine Milch kommen, da der Automat immer frei zugänglich ist. Ich vermeide Verpackungsmüll, da wir die Milch in Mehrweg-Glasflaschen transportieren, die zudem auch appetitlicher sind als ein Karton. Die Milch schmeckt hervorragend und gibt uns aus mehreren Gründen ein gutes Gefühl. Sie ist außerdem nicht teurer als die Milch aus dem Supermarkt, d.h. ich bekomme für den gleichen Preis ein besseres Produkt.

Das ist für mich ein gutes Beispiel für den Kompromiss, den ich bei meiner Art der Selbstversorgung häufig eingehen muss. Selbstversorgung und ein anderer/besserer Lebensstil sollen nicht den Druck erzeugen alles perfekt selbst zu erledigen – das ist auch einigermaßen unrealistisch – sondern einen gesünderen Umgang mit der Umwelt, den Ressourcen und auch mit sich selbst, unterstützen.

Wer sich dafür interessiert, sollte einfach mal „Milchtankstelle“ in Maps eingeben. Sicher gibt es das auch in Eurer Nähe.